
Zähneknirschen und Kiefergelenk
Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Zähne arbeiten zusammen. Stimmt dieses Zusammenspiel nicht, kann das Beschwerden auslösen, die auf den ersten Blick nichts mit den Zähnen zu tun haben. In der Zahnmedizin heißt dieser Bereich Funktionstherapie.
Woran Patientinnen und Patienten es bemerken
Häufige Anlässe für einen Termin sind ein Knacken oder Reiben beim Öffnen des Mundes, morgens verspannte Kaumuskeln, eingeschränkte Mundöffnung oder Schmerzen, die vom Kiefer in Schläfe und Nacken ausstrahlen. Manchmal fällt es auch erst uns auf: an Zahnflächen, die deutlich stärker abgerieben sind, als es dem Alter entspricht.
Dahinter steht oft Zähneknirschen, medizinisch Bruxismus. Viele Betroffene bemerken es selbst nicht, weil es überwiegend nachts geschieht.
Wie wir vorgehen
Am Anfang steht eine Untersuchung des Kiefergelenks, der Kaumuskulatur und der Art, wie die Zähne aufeinandertreffen. Daraus ergibt sich, ob eine Behandlung sinnvoll ist und welche.
Die Aufbissschiene
Die häufigste Maßnahme ist eine Schiene, die nachts getragen wird. Sie entsteht nach einem Abdruck der Zähne und wird so eingestellt, dass die Zahnreihen beim Zubeißen gleichmäßig Kontakt haben - die Zähne treffen dann nicht mehr direkt aufeinander. Der Biss wird dabei leicht erhöht, wodurch das Kiefergelenk entlastet wird.
Ohrakupunktur
Bei Beschwerden, die vom Kiefergelenk ausgehen, setzt Dr. Mahtab Yahyazadeh zusätzlich Ohrakupunktur nach Nogier ein - ein ergänzendes Verfahren, das nicht an die Stelle der zahnärztlichen Behandlung tritt. Wie es funktioniert und wann es infrage kommt, steht auf der Seite zur Ohrakupunktur.
Botulinumtoxin bei sehr starkem Knirschen
Wer stark knirscht oder presst, belastet den Kaumuskel dauerhaft - bei manchen so sehr, dass er sichtbar kräftiger wird. Reicht eine Schiene dann nicht aus, lässt sich der Muskel mit Botulinumtoxin behandeln, bekannt unter dem Markennamen Botox. Es wird gezielt in den Kaumuskel gespritzt und dämpft dort für einige Monate dessen Aktivität. Behandelt wird also der Muskel, der die Beschwerden auslöst.
Die aktuelle S3-Leitlinie zum Bruxismus bewertet die Wirksamkeit dieser Behandlung mit hoher Evidenz. Bruxismus gehört zur Zahnheilkunde, die Behandlung erfolgt deshalb beim Zahnarzt und nicht in einer kosmetischen Praxis.
Was Sie dazu wissen sollten
Die Wirkung ist vorübergehend und lässt nach einigen Monaten nach; ob und wann eine Wiederholung sinnvoll ist, wird jedes Mal neu entschieden. Nicht für jeden ist die Behandlung geeignet - das klären wir vorher im Gespräch, zusammen mit den möglichen Nebenwirkungen.
Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nicht, es ist eine Privatleistung. Was auf Sie zukommt, sagen wir Ihnen vor dem Termin.